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1st ESST Conference und VDZ-Hauptversammlung 2009 in Rotterdam

Die 1. ESST-Konferenz, die gemeinsam mit der Hauptversammlung 2009 des Vereins Deutscher Zuckertechniker in Rotterdam vom 18. bis 20. Mai stattfand, besuchten – einschließlich der Begleitpersonen – ca. 350 Teilnehmer aus 23 Ländern. Rotterdam, gegründet 1230, ist nach Amsterdam die zweitgrößte Stadt der Niederlande und besitzt große Bedeutung durch den größten Seehafen Europas (drittgrößter der Welt). Im Jahr 2008 wurden 400 Mio. t an Gütern umgeschlagen. Der Hafen und die hafenbezogene Wirtschaft trägt damit allein etwa 7 % zum niederländischen Bruttoinlandsprodukt bei und sorgt für etwa 320 000 Arbeitsplätze, davon befinden sich etwa 60 000 direkt im Hafengebiet. Rotterdam hat knapp 600 000 Einwohner und liegt im Mittel 2 m unter Normalnull. Neben Amsterdam und Den Haag ist Rotterdam eines der kulturellen Zentren der Niederlande. Rotterdam verfügt über eine Universität, mehrere Fachhochschulen, eine Musikhochschule und eine Kunstakademie. Sie ist die führende Industrie- und Handelsstadt der Niederlande. Besonders auffällig ist die Rotterdamer Wolkenkratzer-Silhouette (“Manhattan an der Maas”), die sich in den letzten 20 Jahren entwickelt hat. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt weitgehend zerstört, einen alten Stadtkern gibt es nicht mehr. Die Stadt beschloss nach 1945 einen grundlegenden städtebaulichen Neubeginn für das alte Zentrum. Die Grundstücksbesitzer in der Stadtmitte wurden gegen Entschädigung enteignet, der Boden aufgegraben und sämtliche Leitungen, Abwasserkanäle etc. entfernt, um wirklich einen kompletten Neubeginn in der Stadt zu ermöglichen. Im Stadtzentrum selbst stehen von den Gebäuden, die vor dem 20. Jahrhundert errichtet wurden, nur noch die Laurentiuskirche und Het Schielandshuis. Aus der baulichen Epoche der Nachkriegszeit stammt das gegenüber dem Bahnhof befindliche Groothandelsgebouw (Büros des Großhandels) aus dem Jahre 1953, in dem sich u.a. die Räume des Restaurants Engels befinden. Dort trafen sich die Tagungsteilnehmer an den Abenden des 18. und 19. Mai zum Abendempfang und -essen, wozu Charles Arentsen, Produktionsdirektor der Suiker Unie, Niederlande, und Vorstandsmitglied des Zweigvereins West des VDZ, die Gäste am 18. Mai herzlich begrüßte.

Bereits am 17. Mai hatte die European Society for Sugar Technology (ESST) ihre Mitglieder nach dem ESST- Council Meeting zum Empfang im Hotel Westin geladen. Die Plenarsitzungen der Tagung, die am 18., 19. und 20. Mai stattfanden, wurden im De Doelen Conference Center abgehalten. Dabei gab es 25 Vorträge zu den Themen Rübenqualität, Energie, Nachhaltigkeit und Technologie der Rübenzuckergewinnung und es wurden 9 Poster gezeigt. Die Zusammenfassungen dieser Beiträge wurden in dieser Zeitschrift Heft 5, 2009, S. 377 bis 384, veröffentlicht.

Im Erdgeschoss des Conference Centers befand sich die Ausstellungshalle, in der die Tagungsteilnehmer die Möglichkeit hatten, sich an den Ständen von 18 Zulieferunternehmen der Zuckerindustrie über deren Produkte und Verfahren zu informieren.


ESST-Vortragsveranstaltung

Den Eröffnungsvortrag am 18. Mai hielt Herr Albert Markusse, Geschäftsführer der Suiker Unie. Er führte zunächst die Auswirkungen der Reform der europäischen Zuckermarktordnung vor Augen: Seit dem Beginn deren Umsetzung vor 3 Jahren wurden fast 80 Zuckerfabriken stillgelegt einhergehend mit dem Abbau von etwa

15 000 Arbeitsplätzen und dem Verlust von 800 000 ha Zuckerrübenanbaufläche. Dabei stehe der Zuckersektor für eine Zukunftsfähigkeit, die es in ausreichendem Maße zu vermitteln gelte. Dafür stünden u.a. die Gewinnung von Bioenergie, die Maßnahmen zur Verringerung des Energiebedarfs, der CO2-Emissionen und der Pflanzenschutzmittel sowie die soziale Verantwortung. Einige dieser Punkte wurden auch in den darauf folgenden Vorträgen wieder aufgegriffen.

Aufgrund des Strebens nach längeren Kampagnen ist die Lagerung von Zuckerrüben und die damit verbundene Änderung der Qualität bzw. die Verarbeitung langzeit-gelagerter Rüben von immer größerem Interesse. Das spiegelte sich in den Vorträgen zum Thema Rübenqualität wider, bei dem sich der meistdiskutierte Vortrag allerdings mit dem Anbau gentechnisch veränderter Rüben in den USA beschäftigte. Mit dieser Thematik gehen die Europäer wesentlich verhaltener um als die Rübenanbauer in Nordamerika, die seit 2008 GV-Rüben im landesweit anbauen. 2009 werden die GV-Rüben über 90 % Marktanteil besitzen (T. Schwartz und C. Richard).

Die Energiekosten besitzen einen großen Anteil an den Zuckergewinnungskosten und sind gerade in den letzten Jahren überproportional gestiegen. Ein besonders interessanter Vorschlag zur Reduzierung und Optimierung des Energiebedarfs war der Einsatz von Gashydraten zur Konzentration von Zuckersäften. Allerdings konnte diese Technologie bei der Zuckergewinnung nicht erfolgreich umgesetzt werden.

Die Nachhaltigkeit bei der Zucker- bzw.-rübengewinnung war ein weiterer Themenbereich. Dabei wurde wiederholt auf die Vorteile der Zuckerrübe gegenüber anderen pflanzlichen Rohstoffen bei der Bioenergieerzeugung hingewiesen. So ist die Bio-ethanolerzeugung aus Zuckerrüben nicht nur eine kostengünstige Lösung im Vergleich zu Biokraftstoffen der 2. Generation, sie garantiert ebenfalls einen effizienten Einsatz der vorhandenen landwirtschaftlichen Flächen, da neben dem Biokraftstoff auch Futtermittel erzeugt werden.

Die Vorträge zur Technologie der Zuckergewinnung reichten von der Saftreinigung (optimale Alkalisierung) und -enthärtung (Fraktalverteilung, Chromatographie) über die Kristallisation (Kristallisationsschema, Kristallfuß) bis hin zur Behandlung der Melasse (Elektrodialyse) und zu alternativen Produkten aus Zuckerrüben. Als solche wurden z.B. l-Lysin, Biopolymere, Oligosaccharide und Zusatzstoffe für Futtermittel vorgeschlagen.

Im Foyer des Vortragssaales waren neun Poster zu zuckertechnologischen Aspekten ausgestellt. Für die Besucher bestand die Möglichkeit, mit den Verfassern darüber ins Gespräch zu kommen.


ESST Council Meeting

Am 17. Mai fand das ESST Council Meeting statt. Der ESST Council besteht aus Vertretern der Mitgliedsfirmen und Vereinigungen der ESST. Unter der Leitung des ESST-Präsidenten Carl Carter entlasteten die anwesenden Vertreter den ESST-Vorstand. Der Vorstand mit Carl Carter (President), Axel Aumüller (Incoming President), Denis Bourrée (Treasurer) und Bengt Högberg (Outgoing President) wurde wiedergewählt.


VDZ-Hauptversammlung

Der Vorsitzende des Vereins Deutscher Zuckertechniker, Dir. Dr. Arnd Reinefeld, begrüßte am 20. Mai die Teilnehmer der Hauptversammlung, besonders das Ehrenmitglied Dr. Klaus-Hermann Fasol sowie die ausländischen Vorstandsmitglieder, Josef Arnold (HV) aus der Schweiz, Bengt Högberg (ZV Nord) aus Dänemark, Charles Arentsen (ZV Mitte) aus den Niederlanden, Martin Doppler (ZV Süd) aus Österreich und alle ausländischen Teilnehmer. Der Dank des Vorsitzenden ging an die Organisatoren der Tagung, den Zweigverein Mitte, insbesondere an Dr. Markus Lorenz, Charles Arentsen und Mark O. Burkhardt, und die ESST, namentlich Carl Carter und Dr. Jürgen Bruhns.

Die Anwesenden gedachten der seit der letzten Hauptversammlung verstorbenen Vereinsmitglieder:

Dr. Heinz Haucke, ehemaliger Direktor in den Zuckerfabriken Bedburg und Dinklar;

Jaspar von Maltzan Freiherr zu Wartenberg und Penzlin, ehemaliger Geschäftsführer und Mitgesellschafter von Pfeifer & Langen, Köln;

Dr. rer. nat. Heinz Neuber, ehemaliger Betriebsleiter der Zuckerfabrik Uelzen.

Im Vorstandsbericht erinnerte Dr. Reinefeld an die Veranstaltungen des zurückliegenden Vereinsjahres mit der VDZ-Hauptversammlung 2008 in Köln, den Vorstandssitzungen des Gesamtvereins, der Sommerexkursion des Zweigvereins Mitte zu den Ford-Werken Köln, der Spätsommerveranstaltung des Zweigvereins Nord bei BMW in Leipzig sowie den Zweigvereinstagungen im Frühjahr mit den traditionellen Berichten aus der Kampagne. Er verwies auf die Jubilar Ehrungen und erwähnte in diesem Zusammenhang besonders die Ehrungen für Dr. agr. Helmut Eichhorn (50 Jahre VDZ-Mitgliedschaft) und Jürgen Seidel (40 Jahre), die auch mit der Goldenen Münze des VDZ ausgezeichnet worden waren.

Die Mitgliederzahl des Vereins erhöhte sich im vergangenen Kalenderjahr von 547 auf 550 bei einem Todesfall, 13 Austritten (bzw. Ausschluss) und 17 Neuaufnahmen, so Geschäftsführer Axel Aumüller in seinem Bericht. Im April 2009 zählte der Verein 552 Mitglieder aus 19 Nationen, wobei die stärkste nichtdeutsche Fraktion durch die Niederländer gestellt wird. Geschuldet dem vom DAX abhängigen Wertpapierdepot verringerte sich Vereinsvermögen im abgelaufenen Jahr.

Horst Herold, gemeinsam Rechnungsprüfer mit Wolfgang Vogl, bescheinigte, dass die Bilanz- und die Erfolgsrechnung des Vereins den Grundsätzen einer ordnungsgemäßen Buchführung entsprechen, und beantragte daraufhin die Entlastung des Vorstandes, die ohne Gegenstimme erfolgte.

Da Herr Herold für eine Wiederwahl nicht zur Verfügung stand, stellte sich bei der anschließenden Wahl der Rechnungsprüfer neben Herrn Vogl Rudolf Podolsky der Abstimmung. Beide wurden ohne Gegenstimme gewählt. Auch im Vorstand gab es Veränderungen, da Dr. Reinefeld den Vorsitz des Vereins abgab. Zur Wahl stellten sich Axel Aumüller als Vorsitzender, Dr. Markus Lorenz als Geschäftsführer, Reinhold Hempelmann als Beisitzer für die Zulieferindustrie und Josef Arnold als Ausländisches Vorstandsmitglied. Die Wahl erfolgte en bloc ohne Gegenstimme, die Vorstandsmitglieder bedankten sich für das in sie gesetzte Vertrauen und nahmen die Wahl an. Anschließend dankte Herr Aumüller Dr. Reinefeld, der seit 1997 Vereinsvorsitzender war, für dessen Arbeit im Verein, und betonte, dass die offizielle Verabschiedung von Dr. Reinefeld auf der VDZ-Hauptversammlung im nächsten Jahr erfolgen wird.


Preisarbeiten

Dr. Stefan Frenzel, Vorsitzender des “Ausschusses für Forschung und Prüfung von Preisarbeiten”, konnte für das vergangene Jahr keine eingereichten Preisarbeiten vermelden. Er appellierte deshalb an erfahrene bzw. pensionierte Mitglieder, sich dahingehend zu engagieren. Folgende Veröffentlichungen in der Zeitschrift “Sugar Industry/Zuckerindustrie” der letzten 12 Monate wurden prämiert:

Quido Smejkal und Arash Bagherzadeh für die Mitarbeit an der Veröffentlichung in Heft 5/2008 “Auswirkungen verringerter Temperaturen bei Eindampfung und Kristallisation auf die Zuckerqualität und den Energiebedarf bei der Zuckergewinnung” – je 250 Euro

Peter Burroughs für die Veröffentlichung in Heft 7/2008 “Juice decalcification and evaporator protection” – 350 Euro

Peter Dörheit und Thomas Frühauf für die Mitarbeit an der Veröffentlichung in Heft 7/2008 “Stand der Ammoniakreduktion aus den Carbonatationsabgasen im Werk Könnern der Pfeifer & Langen KG” – je 250 Euro

Hans Nurmi für die Veröffentlichung in Heft 8/2008 “Erfahrungen mit der Nutzung von gefälltem Calciumcarbonat bei Danisco Sugar” – 350 Euro

Jan L.M. Struijs für die Veröffentlichung in Heft 12/2008 “Umrüstung der Verdampfanlage in Vierverlaten” – 350 Euro

Gilles Schrevel für die Veröffentlichung in Heft 1/2009 “Verringerung der Dicksaftqualität während der Lagerung” – 350 Euro

Michael Wendt für die Veröffentlichung in Heft 1/2009 “Kraft-Wärme-Kopplung am Standort Zeitz” – 350 Euro

Gilles Schrevel und Laurence Philippart für die Mitarbeit an der Veröffentlichung in Heft 2/2009 “Schüttgut-Wärmeübertrager für die Zuckerindustrie” – je 250 Euro

Gerhard Schmidt und Peter Scherer für die Mitarbeit an der Veröffentlichung in Heft 3/2009 “Planung eines neuen Kohlekessels am Südzuckerstandort Offstein” – je 250 Euro

Christine Kenter für die Mitarbeit an der Veröffentlichung in Heft 4/2009 “Ursachen der Verringerung des Markgehaltes von Zuckerrüben und Auswirkungen auf Menge und Qualität der Schnitzelerzeugung” – 250 Euro.

Für den aus dem Ausschuss für Forschung und Prüfung von Preisarbeiten ausscheidenden Dr. Reinfeld, bei dem sich Dr. Frenzel für dessen Arbeit bedankte, wird Herr Aumüller nachrücken.

Der Leiter des Fachausschusses “Energie und Technik”, Thomas Frankenfeld, berichtete kurz über die Arbeit zum Thema Einfluss der Dicksaftqualität auf die Länge der Dicksaftkampagne und die Qualität des gewonnenen Weißzuckers. Zudem erarbeitet der Fachausschuss eine Modellfabrik, die als Benchmark für die europäischen Zuckerfabriken dienen soll.

Als Tagungsort für die VDZ-Hauptversammlung vom 10. bis 12. Mai 2010 wurde Eisenach bekanntgegeben.


Begleitprogramm

Neben den o.a. Empfängen bestand für die Begleitpersonen die Möglichkeit der Teilnahme am Besucherprogramm. Dies umfasste am 19. Mai den Besuch des Aussichtsturms ,Euromast’, eine Bootstour im Rotterdamer Hafen sowie den Besuch der Delfter Porzellanmanufaktur und des Porzellanmuseums ,De Porceleyne Fles’ einschließlich eines Workshops.

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Gregor Reiche10.06.2009