Die Untersuchung industrieller Rübenbreiproben ermöglicht die großflächige Überwachung von Candidatus Phytoplasma solani in Regionen mit Zuckerrübenanbau

Die Ausbreitung der Schilf-Glasflügelzikade (Pentastiridius leporinus) sowie der mit ihr assoziierten Krankheitserreger Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus (ARSEPH) und Candidatus Phytoplasma solani (PHYPSO) stellt eine zunehmende Bedrohung für die Zuckerrübenproduktion in Mitteleuropa dar. Derzeitige Überwachungssysteme basieren hauptsächlich auf dem Monitoring der Vektoren, visuellen Feldbonituren sowie molekularen Untersuchungen einzelner Insekten und Pflanzen. Diese Methoden liefern zwar wertvolle Informationen, sind jedoch hinsichtlich ihrer räumlichen Abdeckung begrenzt.

In dieser Studie wurden industrielle Rübenbreiproben, die im Rahmen der routinemäßigen Qualitätskontrolle in Zuckerfabriken anfallen, als Ressource für eine großflächige Überwachung von PHYPSO bewertet. Während der Kampagne 2025/26 wurden 4887 Breiproben gesammelt, die 1954 Anlieferungsstandorte repräsentierten. Davon wurden 1237 Proben einzelner Feldstandorte mit konsistenten Rübenqualitätsparametern mittels direkter PCR analysiert. PHYPSO wurde in 214 Proben (17,3 %) nachgewiesen. Der verwendete molekularbiologische Untersuchungsansatz war nicht subgruppenspezifisch und umfasste keine Genotypisierung. Daher konnten die PHYPSO-positiven Proben keinen einzelnen 16SrXII-Untergruppen zugeordnet werden. Der Vergleich mit visuellen Feldbonituren zeigte, dass 85,7 % der molekular positiven Nachweise aus Beständen stammten, in denen keine sichtbaren Krankheitssymptome beobachtet worden waren.

Ein Verschleppungsversuch (Carry-over-Experiment) zeigte, dass DNA der Pathogene unter ungünstigsten Bedingungen über mehrere aufeinanderfolgende Proben hinweg nachweisbar bleiben kann. Dieser Effekt muss daher bei der Interpretation der Daten berücksichtigt werden.

ARSEPH wurde dagegen mittels direkter PCR lediglich in 6 von 1237 Proben (0,5 %) nachgewiesen, die sämtlich aus der Anbauregion Euskirchen stammten. Der Vergleich mit qPCR, Einzelrübendiagnostik sowie den Ergebnissen des Verschleppungsversuchs deutete auf eine unzureichende Sensitivität des derzeit eingesetzten ARSEPH-Direkt-PCR-Verfahrens hin. Daher sollte die beobachtete Nachweisrate nicht als tatsächliche Prävalenz des Erregers interpretiert werden.

Gleichwohl weisen die beobachteten räumlichen Verteilungsmuster der Monitoringstandorte darauf hin, dass die Überwachung mittels industrieller Rübenbreiproben die räumliche Abdeckung der Überwachung erheblich über symptomorientierte Verfahren hinaus erweitert. Damit kann sie dazu beitragen, Regionen zu identifizieren, in denen weiterführende epidemiologische Untersuchungen angezeigt sind.

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