Die Zikadenart Pentastiridius leporinus hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der bedeutendsten Vektoren pflanzenpathogener Erreger in Mitteleuropa entwickelt. Das Manuskript gibt einen aktuellen Überblick über Verbreitung, Biologie und epidemiologische Bedeutung dieses Vektor-Erreger-Komplexes und leitet daraus zentrale Forschungs- und Handlungsfelder für Landwirtschaft, Beratung, Industrie und Wissenschaft ab.
Die von P. leporinus übertragenen Erreger Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus (ARSEPH) und Candidatus Phytoplasma solani (PHYPSO) verursachen schwerwiegende Erkrankungen in verschiedenen Kulturarten. Ihr Auftreten wurde inzwischen in mehreren europäischen Ländern nachgewiesen. Während Deutschland derzeit am stärksten betroffen ist, zeigen die Entwicklungen der vergangenen Jahre, dass sich lokale Befallsherde innerhalb kurzer Zeit zu großflächigen Epidemien entwickeln können.
Die Flugaktivität und Populationsentwicklung der Zikade werden durch ein komplexes Zusammenspiel von Wirtspflanzen, Anbausystemen, Bodenverhältnissen, regionalen Klimabedingungen und Kulturmaßnahmen beeinflusst, was eine zuverlässige Prognose von Zuflug und Befallsbeginn erschwert. Gleichzeitig verdeutlichen zahlreiche neue Wirtspflanzennachweise, dass das tatsächliche Wirtsspektrum noch nicht vollständig erfasst ist. Die ausgeprägte Polyphagie fördert die Etablierung der Art in unterschiedlichsten Agrarlandschaften und erschwert wirksame Bekämpfungsmaßnahmen. Darüber hinaus weisen aktuelle Erkenntnisse darauf hin, dass neben P. leporinus weitere Zikadenarten, insbesondere Reptalus quinquecostatus, als Vektoren an Bedeutung gewinnen und vor allem in Südosteuropa zur Verbreitung von PHYPSO beitragen können.
Derzeit stellen Sortenwahl und Fruchtfolge die wichtigsten präventiven Maßnahmen in betroffenen Kulturen dar. Untersuchungen in Zuckerrüben zeigen, dass tolerantere Sorten selbst bei geringem Befallsdruck wirtschaftliche Vorteile bieten können. Demgegenüber sind die Auswirkungen verschiedener Zwischenfrüchte auf die Nymphenentwicklung bislang nur unzureichend untersucht. Erste Feldversuche deuten darauf hin, dass Ölrettich die Überlebensrate der Nymphen nicht erhöht; belastbare mehrjährige Studien fehlen jedoch weiterhin. Mit den erstmals 2025 in Deutschland erteilten Notfallzulassungen für Insektizide gegen P. leporinus stehen zudem erstmals direkte Bekämpfungsmaßnahmen zur Verfügung. Feldversuche belegen positive Effekte auf Ertrag und Qualität, deren Wirksamkeit jedoch bei hohem Befallsdruck deutlich abnimmt. Die bisherigen Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung frühzeitiger integrierter Bekämpfungsstrategien sowie die Notwendigkeit belastbarer Bekämpfungsschwellen und nachhaltiger Resistenzmanagementkonzepte.
Auch die Bedeutung der bakteriellen Kartoffelknollenwelke nimmt kontinuierlich zu. Sortenversuche zeigen erhebliche Unterschiede hinsichtlich Ertrag, Qualität und Lagerfähigkeit. Besonders anfällige Sorten können unter Befallsbedingungen wirtschaftlich nicht mehr rentabel produziert werden, während erhöhte Zuckergehalte zusätzlich die Verarbeitungsqualität beeinträchtigen.
Angesichts der zunehmenden Bedrohung zahlreicher Kulturarten betonen die Autoren die Notwendigkeit einer engen transdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Beratung, Landwirtschaft, Industrie und Politik. Trotz erheblicher Fortschritte beim Verständnis der Biologie und Epidemiologie des Vektor-Erreger-Komplexes fehlen bislang praxistaugliche und breit anwendbare Lösungsansätze. Langfristige Feldstudien, die Entwicklung wirtschaftlicher Schadschwellen sowie integrierte Bekämpfungskonzepte werden daher als zentrale Voraussetzungen angesehen, um wissenschaftliche Erkenntnisse künftig wirksam in die landwirtschaftliche Praxis zu überführen.
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