Pentastiridius leporinus als Überträger von Pflanzenkrankheiten: Praktischer Kenntnisstand und daraus abgeleitete Forschungsziele

Die Schilf-Glasflügelzikade Pentastiridius leporinus (Hemiptera: Cixiidae) hat wichtige Kulturpflanzen als Wirtspflanzen entdeckt. Sie gilt als Hauptvektor des Proteobakteriums Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus (ARSEPH) und des Phytoplasma der Stolburgruppe, auch bekannt als Candidatus Phytoplasma solani (PHYPSO). Neue Forschungen haben ergeben, dass P. leporinus seinen gesamten Lebenszyklus auf Zuckerrüben (Beta vulgaris subsp. vulgaris, Altissima Group), Kartoffeln (Solanum tuberosum ssp. tuberosum), Karotten (Daucus carota subsp. sativus), Roter Beete (Beta vulgaris subsp. vulgaris, Conditiva Group) und weiteren Pflanzen absolvieren kann. Die beiden Bakterienarten ARSEPH und PHYPSO leben symbiontisch mit der Zikade. Diese Bakterien spielen eine wichtige Rolle bei der evolutionären Anpassung von Insekten an Nutzpflanzen und verursachen schwere Symptome wie Gelbfärbung, Wachstumsstörungen, Ertragsminderungen, veränderter Zucker- oder Stärkestoffwechsel, Geschmacksveränderungen, Welke, vermehrter Pilzbefall und Pflanzentod. Übertragungswege, Entwicklungszyklus, Überwinterung, Schadsymptome, Infektionsmuster und Vermehrungsraten sowie Wanderung werden beschrieben und diskutiert.

Die langfristigen 10–20-Jahres-Strategien erfordern die Entwicklung toleranter und ertragreicher Sorten. Moderne Züchtungstechniken, die in diesem Bereich noch nicht angewandt werden, werden entscheidend sein. In der Zwischenzeit müssen tolerante Sorten aus dem bestehenden Genpool ausgewählt werden und aktive Pflanzenschutzmaßnahmen durchgeführt werden, um die Vermehrungsrate zu vermindern und Verarbeitungsstrukturen zu erhalten. Es bedarf jedoch erheblicher finanzieller Unterstützung und mehr Grundlagenforschung, da die derzeitigen Anstrengungen nicht ausreichen, diese Ziele zu erreichen. Die Autoren befürworten einen vielfältigen Management-Ansatz in der Praxis und stärkerer Unterstützung der Praxisforschung besonders einen Bottom-up-Ansatz, der Landwirte, Berater und Forscher gleichermaßen einbezieht. Die entwickelten Maßnahmen müssen praktikabel und sofort verfügbar sein. Bereits im Jahr 2021 machten die Pflanzenschutzdienste in Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg in Deutschland auf die zerstörerische Kraft der Zikade aufmerksam und forderten dringend eine rasche Erforschung und Entwicklung von Bekämpfungsmethoden und -mitteln. Inzwischen sind Ertrag und Qualität vieler Acker- und Gartenbaukulturen in ganz Europa gefährdet. Dies stellt zweifellos eine herausfordernde Situation für die nachhaltige Lebensmittelversorgung in der Europäischen Union dar.

Die Autoren schlagen daher die Einrichtung einer EU-Taskforce für gesundheitliche Notlagen im Pflanzenschutz vor, wie es in der Änderung der EU-Rechtsvorschriften zum Pflanzenschutz vorgesehen ist. Eine nationale Initiative reicht zum Management der existenziellen Gefährdungslage nicht aus.


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