Eine Reise zu den französischen Antillen

Jean, Huberlant

Wenn man als Tourist zu den Antillen fährt und sich noch dazu für die Zuckerindustrie interessiert, dann hat man doppelte Freude. Martinique (Madinina = Blumeninsel) und Guadeloupe (Karoukéra = Insel der schönen Gewässer) sind wegen ihres Klimas, ihrer Strände und der Schönheit ihrer Natur kleine irdische Paradiese – sie haben aber auch eine reiche Zuckervergangenheit. Heute gibt es auf Martinique nur noch eine einzige Zuckerfabrik, Le Galion, die 1995 in 115 Tagen rund 115 000 t Zuckerrohr verarbeitete und 8040 t Zucker erzeugte, während der Zuckerverbrauch der Inselbevölkerung bei 12 000 t liegt. Auf Guadeloupe arbeiteten 1995 noch drei Zuckerfabriken (jetzt nur noch zwei), die zusammen im Schnitt rund 50 000 t Zucker erzeugen. Eine dieser Fabriken befindet sich auf der Insel Marie-Galante (Insel der hundert Zuckermühlen). In hoher Blüte stand die Zuckerindustrie auf diesen Inseln in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Aus wirtschaftlichen Gründen – u.a. infolge des Aufblühens der Rübenzuckerindustrie im 19. Jahrhundert – wurden die meisten Zuckersiedereien stillgelegt oder in Rumbrennereien umgewandelt: auch auf diesem Sektor ist eine Konzentration festzustellen. Die kleinen Brennereien erzeugen nach traditionellen Verfahren ihren “rhum agricole” und haben es schwer, sich gegenüber dem “rhum industriel” bekannter Marken zu behaupten, der aus Melasse erzeugt wird. Die Wirtschaft der französischen Antillen lebt heute weitgehend vom Tourismus, dennoch gibt es zum Glück noch zahlreiche Zeugnisse, die aus der Blütezeit der Rohrzuckerindustrie stammen. Obgleich die von der Université des Ainés in Loewen im Dezember 1995 organisierte Reise nicht speziell für Zuckerfachleute gedacht war, bestand Gelegenheit, einige interessante Fabrikationsstätten und Museen zu besichtigen. …..

Year: 1996
Volume: 121
No.: 10
Page: 818-819

Language: de

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